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Reiseapotheke mit Schnelltests und Selbstmedikation während der Reise

Ausleihen einer Reiseapotheke - bei uns kostenlos!

Fuer kuerzere Reisen koennen wir Reiseapotheken kostenlos ausleihen, sofern diese gerade verfuegbar sind. Dies ist ein Service der gerne genutzt wird, da nur die Medikamente nach der Reise bezahlt werden, die wirklich verbraucht wurden und man sich die Anschaffung einiger teurer Medikamente sparen kann.Im Zeitalter der Wegwerfgesellschaft versuchen wir hier ein Zeichen zu setzen, das gerne wahrgenommen wird.

Meiner Ansicht nach sollte ein wesentlicher Teil der ärztlichen Reisesprechstunde sein, dem Patienten Kenntnisse und Fähigkeiten zur Selbsthilfe zu vermitteln, da dieser während der Reise oft auf sich alleine gestellt ist.

Das führte zu unserem erfolgreichen Konzept der Selbsttherapie einer Malaria-Erkrankung nach Selbstdiagnose mit einem Schnelltest durch den Reisenden. Dieses Konzept hat sich besonders dort bewährt, wo man nicht sofort einen Arzt aufsuchen kann, etwa in ländlichen Gebieten Afrikas, und hat sich seither weltweit verbreitet. Das Konzept lässt sich auf weitere Erkrankungen übertragen, die durch Schnelltests sicher zu erkennen und einfach zu behandeln sind oder sofortiges Handeln oder Aufsuchen einer medizinischen Einrichtung erfordern, wie zum Beispiel eine tiefe Beinvenenthrombose oder ein Herzinfarkt.

Meist ist nicht mehr nötig als ein kleiner Tropfen Blut aus der Fingerbeere, wie er auch mehrmals täglich von Zuckerkranken gewonnen wird, oder ein paar Tropfen Urin. Im Notfall dürfte jeder Patient in der Lage sein, sich zu überwinden und in den Finger zu stechen. Außerdem kann man das während einer reisemedizinischen Beratung üben lassen. Damit stehen diesem Konzept eigentlich keine Hindernisse mehr im Weg. Man muss jedoch entsprechende Tests in der Reiseapotheke haben, da diese vor Ort kaum zu bekommen sind.

Das gleiche gilt für die eigenverantwortliche Einnahme von Antibiotika und anderen verschreibungspflichtigen Medikamenten aus der Reiseapotheke. Lieber gebe ich meinen Patienten Antibotika für den Notfall mit und erkläre genau, wann sich die Einnahme dieser Medikamente empfiehlt, als das sich der Patient im Reiseland Antibiotika aus fragwürdigen Quellen mit schlechter Lagerung und eventuell reduzierter Wirkung besorgt. Diese Praxis führt nicht zur vermehrten Resistenz, wie immer behauptet wird. Aber sie führt dazu, den Patienten vor gefährlichen bakteriellen Infektionen zu schützen und ihm in der Regel eine Fortsetzung der Reise mit minimaler Krankheitsdauer zu ermöglichen. Ähnlich verhält es sich mit Koliken, Gichtanfällen, Schmerzzuständen und anderen. Warum sollten wir nicht unsere Patienten mit einfachen aber zuverlässigen Hilfsmitteln ausstatten, die wir Ärzte selbst auch benützen, und die für chronisch Kranke, etwa Diabetiker, zum Alltag gehören.

Natürlich gehört immer eine ausführliche Anamnese bezüglich Medikamenten-Allergien dazu und im optimalen Falle auch eine Untersuchung auf die genetischen Polymorphismen hinsichtlich der Metabolisierung von Medikamenten.


Telefonische Fernbetreuung

Zusätzlich geben wir auch Reiseleiterschulungen, in denen wir Sie in einer Reihe von medizinischen Maßnahmen unterweisen, welche weit über die erste Hilfe hinausgehen und auf Reiseart, Reisedauer, Risiken und ggf. persönliche Vorerkrankungen abgestimmt werden. Zudem sind wir für unsere Patienten immer telefonisch erreichbar und können ihnen per Telefon helfen, sofern sie mit der entsprechenden Reiseapotheke, die je nach Reise auch bestimmte diagnostische Tests enthalten sollte, ausgestattet sind.

Für besondere Expeditionen können wir Ihnen eine Reiseapotheke ausleihen oder Ihnen eine sinnvolle Reiseapotheke zusammenstellen, die Ihr Reisegepäck in Größe und Gewicht nicht überfordert.

Reiseapotheke

Unsere Reiseapotheke ist auf die jeweilige Region und Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten. Von den üblichen Empfehlungen für eine Reiseapotheke unterscheiden wir uns insbesondere durch eine breite Palette an diagnostischen Hilfsmitteln, die wir Ihnen "ausleihen" und die Sie daher nur bezahlen, wenn Sie sie wirklich einsetzen.

Darüberhinaus finden Sie in unserer Reiseapotheke Informationen und Produkte zur Versorgung von Wundinfektionen und Unfällen mit giftigen Tieren und Tierbissen wie etwa Spinnen, Skorpione, Schlangen, giftige Fische und Quallen.

Außerdem schützt Sie unsere Reiseapotheke vor zuviel Sonne mit unschädlichen Sonnencremes, Sie finden Hilfe bei Reisekrankheit und Kinetose, Hitzekrankheit, Jetlag, Barotrauma, Barotitis und sogar Thromboseprophylaxe gegen die gefürchtete Reisethrombose.

Wir decken prophylaktisch oder therapeutisch mit unserer Reiseapotheke zudem viele reisemedizinisch relevante Infektionen durch Parasiten, Ektoparasiten, Pilze und Mykosen sowie Insekten ab. Dazu gehören Läuse insbesondere Kopfläuse, Flöhe, Raubwanzen, Mücken, Bremsen, Milben, Krätze, Hautmykosen, Hautpilz, Candidiasis, Schlafkrankheit und Chagas, Leishmaniose, Myiasis, Filariose, Tsutsugamushi-Fieber, Onchozerkose, Zeckenbissfieber, Hantafieber, Ross-River-Fieber, Q-Fieber, Dengue Fieber, West Nile Virus, Rift-Valley-Fieber, Mittelmeerfleckfieber, Frühsommer-Meningo-Enzephalitis, Fleckfieber und andere.

Um gefährliche Infektionen mit Bakterien so früh wie möglich zu behandeln, statten wir Sie mit entsprechenden Antibiotika mit breitem Wirkspektrum aus, wie zum Beispiel gegen Meningitis, Thyphus, Melioidose, Leptospirose, Gonorrhoe, Syphilis, Cholera, Legionellose, Chlamydien, Campylobacter, Salmonellen, Shigellose, Ruhr, Enteritis, bakterielle Lebensmittelvergiftung, bakterielle Lungenentzündung, Streptokokken Infektionen, Paratyphus und andere.

Schnelltests bei Infektionen

Moderne Infektionsdiagnostik von Dr. Folke Hess, Tropenmediziner und Epidemiologe

Krankheitserreger anzüchten, isolieren, mikroskopieren und identifizieren – die Diagnose von Infektionskrankheiten ist die Domäne des mikrobiologischen Labors. Problem dabei ist, dass die Ergebnisse oft erst Tage, manchmal sogar Wochen später feststehen. In vielen Fällen muß jedoch eine Therapieentscheidung sofort getroffen werden. Beispiele dafür sind u.a. Meningitiden, Pneumonien oder akute fieberhafte Zustände nach Auslandsaufenthalt mit Verdacht auf Malaria, Fälle in denen schon wenige Stunden für die Prognose der Erkrankung entscheidend sein können. Die Auswahl des initialen Antibiotikums ist demzufolge oft ungezielt und bedarf nicht selten späterer Revision. Dieses Vorgehen ist einerseits ein medizinischer Kompromiß, andererseits längerfristig betrachtet epidemiologisch bedenklich bis verhängnisvoll und ökonomisch nicht kosteneffizient. So sollten Antibiotika der neuesten Generationen den Problemkeimen vorbehalten sein - viele ambulant erworbene Infektionen sind in der Regel "älteren" und billigeren Therapeutika zugänglich.


Point of Care: Diagnose am Krankenbett

Abhilfe könnte die Diagnose mit sogenannten immunchromatographischen Schnelltests schaffen. Sie wird in den USA unter dem Begriff "Point of Care" (POC) seitens der öffentlichen Gesundheitsbehörden zunehmend gefördert und nicht wenige der Neuentwicklungen stammen aus den renommiertesten Forschungslabors Amerikas. Etwas zeitversetzt zu Internet- und Kommunikationsboom entwickelte sich dort fast unbemerkt ein POCT-Boom. So existieren bereits für ein großes Spektrum von Erregern POC-Teste und es werden laufend mehr. Mittlerweile haben wir es bereits mit der dritten Generation dieser Technologien zu tuen, die nun schon sehr ausgereift sind und herkömmliche Methoden hervorragend ergänzen oder sogar ersetzen.


Beispiel Legionärskrankheit: Schnelltests verhindern Todesfälle

Ein in Zusammenarbeit mit dem CDC, Center for Disease Control in Atlanta entwickelter Urinstreifentest für Legionellen (Legionella Now, Binax Inc.) konnte so bei einer Epidemie im vergangenen März in Holland einige Todesfälle verhindern. Eine Studie am deutschen Referenzzentrum für Legionellen in Dresden ergab eine Spezifität von über 98,5% bei einer Sensitivität über 90% des direkten Nachweises von Legionellenantigen im Urin mittels des amerikanischen Legionella NOW-Tests. Diese hohen Qualitätsmerkmale in Verbindung mit einfachster Durchführung und der Schnelligkeit der Diagnose (15 Minuten) macht den Schnelltest allen anderen Verfahren in wichtigen Aspekten überlegen und stellt bereits ein Standardverfahren dar. Auch die Malariatests (MalaQuick und Optimal, R-Biopharm GmbH bzw. Standby Diagnostics) zum direkten Nachweis von Plasmodienantigenen haben bei korrekter Durchführung ihre Leistungsfähigkeit schon vielfach unter Beweis gestellt. Ein positiver Denguefieber Schnelltest nach Auslandsaufenthalt macht weitere aufwendige Untersuchungen überflüssig. Sofort eingeleitete Maßnahmen nach einem positiven TB-Schnelltest verringern das Ansteckungsrisiko für die Umgebung eines Tuberkulosepatienten erheblich.


Beispiel Pneumonien: Schnelltests verringern Resistenzentwicklung und sind kosteneffizient

Die "POC"-Schnelltest-Technologien, in Deutschland noch wenig eingesetzt, werden die Infektionsdiagnostik in Kürze revolutionieren; sie werden jedem Arzt, ob im maximal ausgestatteten Labor oder im mobilen Einsatz ermöglichen, das gesamte Spektrum gefährlicher Infektionskrankheiten an Ort und Stelle direkt am Krankenbett zu diagnostizieren und sofortige Maßnahmen zu ergreifen. Warum sollte nicht bereits der Hausarzt beim Besuch im Altersheim mit Hilfe einer einzigen Urinprobe eine Pneumonie durch Pneumokokken oder Legionellen differentialdiagnostisch abklären und im positiven Falle die korrekte Therapie einleiten. Dem Patient würde auf diese Weise häufig ein langer Leidensweg erspart bleiben.

Daneben ist der Beitrag, den eine Sofortdiagnose zum verantwortungsvollen Einsatz mit Antibiotika liefert, gar nicht groß genug einzuschätzen, sehen wir uns doch mit einer zunehmenden und besorgniserregenden Resistenzentwicklung konfrontiert. So reduziert die Gewissheit einer Pneumonie durch Pneumokokken (mittels Antigen-Urinstreifen, Binax-NOW) in der Regel die Auswahl von einem teuren Cephalosporin dritter Generation auf ein billiges und effizienteres Amoxicillin. Ein Schnelltest für Legionellen kostet nur etwa ein Drittel bis ein Fünftel verglichen mit herkömmlichen Methoden, noch nicht eingerechnet den Arbeitsaufwand dieser teils sehr aufwendigen Verfahren. Ähnliche Vorteile gelten auch für Malaria-Schnellteste und die anderen POC-Teste. Zudem sind POC-Teste als Einzelbestimmung durchführbar, bei selteneren Erkrankungen ein weiterer nützlicher Aspekt.


Schnelltests gehören in das Notfallabor jeder medizinischen Einrichtung

Schnelltests können dem Arzt sofort einen Überblick über die Gefährlichkeit einer Erkrankung verschaffen und ermöglichen eine schnelle differentialdiagnostische Eingrenzung. Während beispielsweise Schnellteste bei Herzinfarktpatienten und in der Drogenanalytik schon etabliert sind, haben Schnellteste in der Infektionsdiagnostik noch Hürden zu nehmen. Hierzu sind einschneidende Veränderungen im Zusammenspiel der einzelnen Abteilungen eines Krankenhauses oder niedergelassenen Arztes und Labors nötig. Insbesondere Großlabors mit automatisierten Analysegeräten tun sich schwer bei der Umsetzung auf Einzeltests. So gehört es auch noch nicht zur Routine einer Ambulanz bei Verdacht auf Pneumonie eine Urinprobe ins Labor zu schicken oder dies als Ergänzung zum Röntgen durchzuführen. Ein Rettungssanitäter der seinen Patienten mit der Diagnose "Pneumokokkenpneumonie" abliefert, würde ebenfalls noch nicht ernst genommen werden. Im Interesse einer optimalen Patientenversorgung sollten POC-Tests jedoch überall dort eingesetzt werden, wo schnelle Entscheidungen gefordert sind. Es kommt für jeden medizinisch Tätigen darauf an, sich diese Technik nutzbar zu machen und deren positive Aspekte in den eigenen medizinischen Alltag zu integrieren.

Dazu gilt es, die Strukturen in Krankenhäusern und medizinischen Einrichtungen zu schaffen, die den Einsatz von POC routinemäßig ermöglichen.